Ein Statement zur aktuellen Hardcore Szene:

 Ich muss endlich mal was loswerden was mir schon lange auf der Seele brennt. Ich höre schon ne Weile Hardcore und spiele seit 2007 selbst in einer "Hardcore-band".

Über die Jahre hab ich einiges erlebt und gesehen. Anfangs war ich froh dieser "Szene" anzugehören - für mich war Hardcore und Punkrock, was die Einstellung angeht ,im Grunde das Gleiche: pass dich nicht an - sei wer du bist - scheiss auf Konventionen - bleib im Herzen immer Kind..... Mit Klamotten hatte das garnichts zu tun - ob Nietenjacke und Iro oder einfach Jeans und Bandshirt -war (den meisten ) vollkommen Wurst. Da es im Punkrock "damals" nicht sehr viel Neues gab - war Hardcore für mich die interessantere Sparte.

Es gab immer mehr Neues zu entdecken - Bands die den gleichen innovativen Ansatz wie Refused verfolgten - aber ohne diese zu kopieren! Musikalisch gesehen eine wundervolle Zeit für die damals stagnierende "Hardcore-Szene". Viele Bands hatten etwas frisches und ganz Eigenes - und dadurch grossen Wiedererkennungswert. (Hier ein paar Beispiele: J.R. Ewing, Botch, Converge, Will Haven, The Locust, Glassjaw, ect..) Auch was das Styling der Bands anging war alles bunt gemischt. Manche Leute hatten Dreadlocks - lange Matten oder ne Glatze oder den heute viel geliebten und gehassten Seitenscheitel - der mit dem was man heute unter "Emo" versteht einfach mal garnichts zu tun hatte!

Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema wären : Hardcore heute..... Was ist da bloss passiert? Ich könnte kotzen! Und das meine ich ganz ernst! Ich will jetzt garnicht auf der "Emo-Sache" rumreiten. Diese Kids haben ihr ganz eigenes Ding am laufen - und das hat scheinbar mehr mit Kajalstiften und Fotos auf Myspace als mit Musik zu tun. Und ganz ehrlich muss ich sagen, dass ein Teenie der trotz verbaler und auch körperlicher Atacken sein Ding weiter durchzieht schon irgendwo auch "Punk" ist. Mehr oder weniger... Was mich viel mehr ankotzt ist die von mir "liebevoll" genannte - "Armee der Klonkrieger". Kommt Ihr euch manchmal vor wie in einem Film? Ich schon. Aber nur wenn ich auf Hardcore Konzerten bin - was durch die Band ja häufig der Fall ist. Es ist aber weniger ein Film sondern der Mitschnitt eines Festivals - nicht irgendeines - sondern des grössten Hardcore Festivals der USA - das HELLFEST. Ich kenne ja nur die DVD von 2003 und muss mit Schrecken feststellen dass sich heute (6 Jahre später !!!) alles was da an Trends zu sehen war bei uns durchgesetzt hat.

 Hier einige Beispiele:

Kung Fu moves im Moshpit - teileweise sogar synchron!!!

hochgeklappte Cappies

hochgezogene Kniestrümpfe

Plugins in den Ohrläppchen

Halstücher über Mund und Nase

Stirnbänder etc. etc......

Ich will wirklich niemanden persönlich angreifen - und es ist vollkommen o.k. wenn man manche Sachen für sich übernimmt - aber 1:1 ???! Ich weiß nicht..... Aber genug der Äußerlichkeiten.

Viel schlimmer ist es um die Musik bestellt. Kommt es nur mir so vor - oder hören sich mittlerweile fast alle neuen Bands gleich an? Slayer Riffs - etwas Geschrei ein paar Breakdowns und Moshparts fertig ist der Metalcore Einheitsbrei?! Das alles klingt dann wie die X-beliebige Kopie der Kopie der Kopie.....vollkommen belanglos und austauschbar. Und meistens dient diese Musik sowieso nur als Soundtrack für Stagedive und Kickbox-Einlagen vor der Bühne. Wie viele Metal-core Bands - die man kaum unterscheiden kann - soll es denn bitte noch geben? Keine Band kann das Rad neu erfinden - und sich beeinflussen lassen ist auch normal - aber wollt Ihr alle wirklich wie irgendwelche Coverbands klingen??? Das gleiche gilt übrigens auch für die Welle von Neo-Oldschool-Bands die gerade wie Pilze aus dem Boden spriessen. Und wie passt bitte "christlicher Fundamentalismus" mit Punkrock, Metal und Hardcore zusammen? Wo lebt ihr eigentlich?

NO GODS! NO MASTERS!

Einfach zum kotzen - sowas hat im Hardcore genausowenig zu suchen wie elitäres "Straight Edge" gehabe und sonstiger Fanatismus. Ich geh doch auch nicht damit hausieren dass ich abends gern mal ein Bier trinke?! Wenn du kein Fleisch essen oder keinen Alkohol trinken willst ist das sicher gesund - aber wenn du vor der Bühne - Leuten die einfach nur die Musik genießen und abgehen wollen - deine mit einem "X" bemalte Faust im die Fresse haust - hört der Spaß irgendwo auf. Das hat nichts mit der positiven Lebenseinstellung zu tun die "Straight Edge" transportieren soll - Hitler war auch Vegetarier...... Ich hoffe diese Inzucht hat irgendwann mal eine Ende - denn im Moment schäme ich mich -Teil einer solchen Bewegung zu sein. Fangt endlich wieder damit an etwas besonderes zu sein. Und das gilt für Bands und Fans gleichermassen. Unterstützt Bands die ihren eigenen Stil haben - und versuchen "neuen Wind" reinzubringen. Davon gibt es ja auch noch ein paar. Und hört mit diesem Klamotten-Fetisch auf. Das ist echt peinlich!!! So. Das musste einfach mal raus - und vieles hab ich absichtlich etwas überspitzt. Ich halte mich auch nicht für was Besseres oder sonst was.

Ich wünsche mir einfach das Hardcore wieder offen und interessant wird - das ist alles.

9.6.09 18:43
 


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